Experte: Banken werden verstärkt Kryptohandel anbieten

Experte: Banken werden verstärkt Kryptohandel anbieten

02.05.2022
Der Trend hin zu digitalen Währungen wie dem Bitcoin oder den sogenannten Altcoins wie Ethereum wird Umfragen zufolge auch bei ganz normalen Anlegern immer deutlicher erkennbar. Zuletzt gab es Meldungen, dass sowohl Sparkassen als auch Bankenhäuser wie die Commerzbank endgültig die Zeichen der Zeit und damit das Interesse der eigenen Kundschaft für Kryptowährungen erkannt. Zwar wird es in Deutschland noch etwas dauern, bis klassische Banken in den Markt einsteigen. Denn seit rund drei Jahren sind potenzielle Anbieter aus der Bankenbranche auf eine offizielle Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) angewiesen. Zwar dachten bisher eher weniger Institute über eigener Handelsplattformen und Angebote für den Kryptohandel nach. Dies aber dürfte sich bald ändern, glaubt man Experten wie Dr. Bernhard Kronfellner vom Beratungsunternehmen Boston Consulting Group.



Furcht vor sinkenden Kundenzahlen sorgt für stärkeres Krypto-Interesse

Ein Grund für die wahrscheinlich steigende Aktivität könnte laut dem Analysten sein, dass gerade die weltweit führenden Dienstleister wie die US-Kryptobörse Coinbase zunehmend auf den deutschen – genauer den gesamten deutschsprachigen – Markt drängen. Manche Bank fürchtet inzwischen eine regelrechte Welle von Kundenabwanderungen hin zu Dienstleistern, die auch dem sogenannten Mainstream Investitionen in Kryptowährungen ermöglichen. Der Druck wächst konstant. Dies dürfte ein wesentliches Argument für Großbanken sein, sich mehr als bisher trotz des Booms der Kryptowelt die Frage zu stellen, ob sich ein Einstieg rechnen kann. Dabei muss es nicht einmal darum gehen, ob Krypto-Handelsmodelle selbst kurzfristig bezahlt machen. Schon die Hoffnung, Kündigungen langjähriger Kunden zu verhindern, könnte ein Anreiz sein.

Tradition schließt Innovation beim Banking nicht aus

Allein die Aussicht auf rückläufige Kundenzahlen führt dem Experten zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Umdenken. Die Erwartung: Immer mehr deutsche Geldhäuser werden dazu übergehen, Krypto-Angebote einzuführen. Aus der Sicht klassisch ausgerichteter Banken ist und bleibt der Kryptohandel ein Konkurrenzmarkt, der keineswegs überall auf die nötige Akzeptanz stößt. Die Umsätze der jungen Mitbewerber aber lassen viele Banken und Kreditinstitute aufhorchen. Die teils noch recht vorsichtigen Ansätze der oben genannten Sparkassen, Commerzbank und anderer Bankenhäuser zeigen, dass nicht nur die führenden Währungen wie Bitcoin und Ethereum im Bewusstsein seit Jahrzehnten etablierter Banken ankommen. Als eigenständige Anlageklasse, so jedenfalls sieht es der Beratungsprofi Bernhard Kronfellner als einer von immer mehr Experten, werden Digitalwährungen bald eine zentrale Rolle spielen.

Neobanken laut dem Experten eine wichtige Verbindung beider Welten

Der Kryptoexperte verweist in seiner Analyse unmissverständlich auf die Angst vor sinkenden Kundenzahlen als Kernaspekt für die schrittweise Öffnung vieler Banken. So gering die Auswahl im Bankensektor bisher auch ausfällt – Neobanken werden als Anbieter von Kryptoangeboten endlich ernst genommen. Neben Neobanken aber erkennen Banken auch vormals reine Kryptounternehmen als Konkurrenz, die mittlerweile in den Bereich traditioneller Bankgeschäfte vordringen. Kreditkarten, die Zahlungen und Einkäufe mit Kryptowährungen erlauben oder Konten digitale Währungen als Spargrundlage verwenden, gewinnen an Bedeutung und machen traditionellen Banken ihren Marktanteil strittig. Ein Beispiel von vielen ist die Berliner Neobank N26, deren Kundschaft eine einfache und bequeme Kontoführung allein über das Smartphone verspricht.

Neue Finanzdienstleister wissen um Wünsche der Anleger

Auch Dienstleister wie die Börse Bitpanda aus der österreichischen Hauptstadt Wien arbeiten an der Schließung der Kluft zwischen bewährten Bank-Dienstleistungen und dem Kryptomarkt fest im Blick. Die Verbindung eines normalen Bank- und Wertpapierkontos wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, damit Kunden „normale“ Bankangebote parallel zu neuen Kryptoangeboten wahrnehmen können, ohne dafür verschiedene Konten oder Depots verwenden zu müssen. Kryptowallet inklusive. Eine klare Vorstellung von der Entwicklung hat Insider Bernhard Kronfellner auch von den zu erwartenden Entwicklungen in naher Zukunft. Reines Spekulieren auf Kursentwicklungen von Kryptowährungen könnte dabei nur ein Aspekt sein.

Immer mehr Angebote für Krypto-Profite werden folgen

Auch Robo-Advisor, also Systeme für automatisierte Investitionen auf Basis personalisierter Handels-Ziele dürften wichtiger werden. Derlei Systeme unterbreiten Anlegern Empfehlungen für Anlagen in digitale Vermögenswerte auf Basis individuell erstellter Parameter. Zugleich zeigt sich der Experte davon überzeugt, dass Bitcoin und Co. zukünftig an Bedeutung bei länderübergreifenden Überweisungen gewinnen werden. Das offensichtliche Ziel: Transaktionen werden deutlich schneller, sicherer und nicht zuletzt günstiger. Dass dies auch auf normale Zahlungen positive Auswirkungen haben wird, liegt nahe. Was den Einsatz digitaler Währungen bei Kreditkartenzahlungen angeht: Hier können digitale Währungen etwa als Teil von Cashback-Programmen zu Rabatten und Erstattungen führen. Glaubt man dem Experten Kronfellner, sind Rückzahlungen und Boni in Höhe von rund acht Prozent schon heute möglich.

Kryptowährungen können auf verschiedenen Wegen zum Gewinn führen

Abgerundet werden die Vorzüge von Kryptowährungen durch Angebote, die Nutzern überdurchschnittlich hohe Zinsen im Bereich Krypto-Lending einbringen können. Selbst die erwartete Anhebung der Leitzinssätze durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird langfristig keine vergleichbar hohen Belohnungen für Einlagen einbringen können. Kronfellner zeigt sich in seiner aktuellen Analyse überzeugt, dass sowohl kleine als auch große Geldhäuser Schritt für Schritt mit eigenen Angeboten den Markt für digitale Währungen zu erobern versuchen werden. Nicht weniger interessant: Auch die endgültige Einführung eines digitalen Euro als Zentralbankgeld hält der Analyst wichtig, damit die klassische Bankenwelt nicht den Anschluss an die immer schnellere Entwicklung im Bereich der Kryptowährungen verliert.