Binance-CEO: Crash hat den Kryptomarkt Milliardensummen gekostet

Binance-CEO: Crash hat den Kryptomarkt Milliardensummen gekostet

20.05.2022
Digitale Währungen sind immer häufiger Teil der Portfolios überzeugter Devisenhändler. Kein Wunder. Denn Währungen wie der Bitcoin oder Altcoins wie Litecoin oder der von Tesla-Chef Elon Musk unterstützte Dogecoin versprechen zunehmend stattliche Renditen. Und das oftmals in deutlich kürzeren Zeiträumen, als es traditionell agierende Anleger sonst kennen. Dass Spekulationen auf dem Kryptomarkt zugleich mit erheblichen Risiken verbunden sind, zeigte der Einbruch vieler Kurse in den vergangenen Wochen. Deutlich wurde dabei ebenfalls, dass Digitalwährungen in Krisen wie dem aktuellen Krieg in der Ukraine eben nicht in jedem Fall der erhoffte Rettungsanker für Spekulationen sind. Die zunehmende Akzeptanz im Mainstream dürfte in den kommenden Jahren zu einer deutlicheren Korrelation des klassischen und des digitalen Marktes führen.

Changpeng Zhao, Chef der vermeintlich nach Handelsvolumen führenden Kryptobörse weltweit, fand bei seinem Auftritt auf der Hamburger Finance-Forward-Konferenz klare Worte zu den Auswirkungen der Marktkrise für den Kryptosektor.



Hohe Verluste auf dem Kryptomarkt durch den letzten Einbruch

Dem in Branchenkreisen als „CZ“ bekannten Krypto-Unternehmer, dessen Vermögen das Magazin Forbes im Mai 2022 auf umgerechnet rund 96 Milliarden US-Dollar bezifferte, gehören einigen Schätzungen zufolge noch immer fast 90 Prozent der Anteile der weltweit führenden Kryptobörse. Anfang Mai wurde zudem berichtet, dass Binance mit einem Vermögen von etwa einer halben Milliarde Dollar an der Tesla-Chef Elon Musk geplanten Übernahme des Social-Media-Dienstes Twitter beteiligt sein soll (Musk Twitter Angebot). Interessanter aber sind die Aussagen des Unternehmers zu den derzeitigen Entwicklungen auf dem Kryptomarkt. So kommt Changpeng Zhao im Rahmen seiner Teilnahme während der Konferenz zu dem Ergebnis, dass der letzte Markteinbruch zu einem Verlust von Kryptovermögen in einer Größenordnung von gut 80 Milliarden US-Dollar geführt habe.

Eingeständnis aktueller Einbrüche, aber ungleiche Problemverteilung

Es sei „viel Geld vom Markt abgeflossen“, heißt es in der Stellungnahme von Changpeng Zhao. CZs Auftritt war Teil der Konferenz, die das Magazin Finance Forward (das übrigens zur traditionsreichen Zeitschrift „Capital“ des Verlags Gruner + Jahr gehört) in der Elbmetropole Hamburg veranstaltet. Das Fintech-Magazin bringt in diesem Zusammenhang unter anderem führende Köpfe der digitalen Finanzwelt zusammen. Der Binance-Chef hob in seiner Einschätzung jedoch hervor, dass sich die durch den Markteinbruch verursachten Verluste keineswegs alle Bereiche des Sektors gleichermaßen deutlich betroffen haben. So gebe es Sparten, in denen die Kurse lediglich um ein Fünftel eingebrochen seien, während andere Sparte weitaus härtere Rückschläge hinnehmen mussten.

Dabei thematisierte der Unternehmer auch die Auswirkungen auf den eigenen Kryptodienst. Zwar sei der „Cashflow“ der Börse generell positiv zu sehen. Währenddessen habe der Kurs des Börsen-eigenen Binance Coin der Gemeinschaftswährung Euro gegenüber im laufenden Jahr gut 40 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Keine Auswirkungen wie zur Finanzkrise sind nicht zu erwarten

In der Folge der neuesten Entwicklungen auf dem Markt hält CZ auch einen sogenannten „Krypto-Winter“, also eine weitere starke Korrektur der Kurse für denkbar. Als Auslöser könnte hierbei der massive Abwärtstrend der Krypto-Leitwährung Bitcoin dienen. Der BTC Kurs fiel seit Herbst 2021 um fast die Hälfte. Wichtig ist dem Binance-CEO jedoch, darauf hinzuweisen, dass auch der Kryptosektor inzwischen regelmäßigen zyklischen Bewegungen folgt. Für den Sektor der Neobroker bedeute dies, dass die Branche wie der traditionelle Markt auf turnusmäßige Korrekturphasen vorbereitet sein müsse. Oder anders formuliert: Auch Kryptobörsen und andere Dienstleister der Sparte werden immer häufiger in Phasen einer Abkühlung steuern. Der aus früheren Jahren gewohnte konstante Höhenflug der Preise wird somit zukünftig der Vergangenheit angehören. Für das kommende Jahr aber erwartet Changpeng Zhao einen „Rebound-Effekt“, der die Preise erneut auf neue Hochs treiben könnte.

Ähnliche Entwicklungen wie zur Zeit der letzten Finanzmarktkrise rund um die US-Bank Lehman Brothers befürchtet CZ einstweilen nicht. Er erklärte dies während der Konferenz mit der Tatsache, dass der Bereich der Krypto-Vermögenswerte momentan von einer guten Widerstandsfähigkeit geprägt sein.

Anleger sollten Stablecoins mit Blick auf Absicherung hinterfragen

Dies wiederum sei die Folge der dezentralen Ausrichtung des globalen Kryptosystems. Dramatische Verluste einzelner Markteilnehmer würden deshalb nicht automatisch einen Dominoeffekt auslösen, wie man ihn vom traditionellen Finanzmarkt kennt. Gleichzeitig rät der Binance-CEO Anlegern, insbesondere mit Blick auf Stablecoins, – also digitalen Währungen mit Kopplung an Fiatwährungen wie den US-Dollar – zu konstanten Marktanalysen und Vorsicht. Die wesentliche Frage sei, wie Stablecoins im Einzelnen besichert werden. Interessant aus der Sicht von Krypto-Fans: CZ berichtete von unter anderem von laufenden Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Hier gehe es etwa um zukünftige Angebote von Aktien-Token durch sein Unternehmen. Deutschland sei „ein wichtiger Markt“. Es gelte jedoch zunächst verlässliche Vereinbarungen zu richtungweisenden Lizenzierungsverfahren zu treffen.