Grundlagen der Markteffizienzhypothese

Grundlagen der Markteffizienzhypothese

Die Markteffizienzhypothese ist eine mathematisch-statistische Theorie der Volkswirtschaftslehre. Sie wurde im Jahre 1970 von Eugene Fama aufgestellt. Zusammen mit Robert J. Shiller und Lars Peter Hansen erhielt Eugene Fama im Jahr 2013 für seine Arbeiten an der Effizienz von Märkten den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Die Finanzwissenschaften arbeiten daran, diese Hypothese zu beweisen oder zu widerlegen.



Markteffizienzhypothese

In jedem Markt werden Preise erzielt. Diese Preise reflektieren alle Informationen, die in diesem Markt verfügbar sind. Wenn also kein einziger Marktteilnehmer im Vorfeld mehr Informationen durch Analysen oder Insiderhandels-Daten erhält und somit auch keine überdurchschnittlichen Gewinne erzielen kann, ist der Markt effizient. Das bedeutet, dass in einem Markt, in dem zu Preisen gekauft und verkauft werden kann, die sämtliche Informationen reflektieren, auch nie zu teuer gekauft und zu günstig verkauft werden kann. Es kann also kein Marktteilnehmer erwarten, auf Dauer höhere Gewinne als der Durchschnitt zu erzielen.

Anwendung der Markteffizienzhypothese

Diese Hypothese wird in Kapitalmärkten angewendet, deren Preise schnell den Informationsstand repräsentieren. Solche Informationen sind beispielsweise:

  • Informationen zu Rohstoffen
  • Informationen zu Unternehmen
  • Informationen zu Staaten.

Traditionelle Märkte können dagegen nicht als effizient angesehen werden. Solche Märkte sind zum Beispiel:

  • Supermärkte
  • Großhandel
  • Wochenmärkte

In traditionellen Märkten haben die Verkäufer wesentlich mehr Informationen zur Verfügung als die Käufer. Der Handel wird außerdem nicht unbedingt mit einer Gewinnabsicht getätigt, sondern mit einer Konsumabsicht.

Varianten der Markteffizienzhypothese

Es gibt drei Varianten der Markteffizienzhypothese:

  • schwache Effizienz
  • mittelstarke Effizienz
  • starke Effizienz.

Bei der schwachen Effizienz kann von den vergangenen Kursverläufen nicht auf die Gegenwart oder Zukunft geschlossen werden. Das bedeutet:

  • Informationen aus der vergangenen Marktentwicklung sind eingepreist
  • mit technischer Analyse kann kein Informationsvorsprung erwirtschaftet werden (keine Überrenditen).

Bei der mittelstarken Effizienz sind alle öffentlichen Informationen zusätzlich zu den Kursverläufen der Vergangenheit im Kurs enthalten. Das bedeutet:

  • alle öffentlich verfügbaren Informationen sind eingepreist
  • Fundamentalanalyse führt nicht zum Informationsvorsprung.

Bei der starken Effizienz sind alle öffentlichen und Insider-Informationen im Kurs enthalten. Das bedeutet:

  • Aktienkurse sind nicht vorhersagbar
  • Insider-Handel lohnt sich nicht (wird aber dennoch durchgeführt und lohnt sich manchmal, was gegen die Hypothese spricht).

Empirische Überprüfung der Markteffizienzhypothese

Die Überprüfung dieser Hypothese hat Zweifel geschürt. Es kam zu Anomalien, die im Gegensatz zur Hypothese standen, wie zum Beispiel:

  • der Januareffekt
  • Überreaktionen
  • Unterreaktionen
  • Spekulationsblasen (Übertreibungsphasen).

Die empirische Überprüfung zeigte folgende Ergebnisse:

  • Tests der schwachen Effizienz bestätigten deren Richtigkeit (kein systematisches Ausnutzen von Informationen aufgrund der Transaktionskosten)
  • Tests der mittelstarken Effizienz können tendenziell bestätigt werden (Ergebnisse sind aufgrund methodischer Probleme vorsichtig zu behandeln)
  • Tests der starken Effizienz können laut Literatur nicht in der Realität vorkommen (Veröffentlichung wichtiger Informationen an der Börse führen regelmäßig zu Kursveränderungen).