Bürger in Kroatien, Ungarn und Polen wünscht sich mehrheitlich den Euro

Bürger in Kroatien, Ungarn und Polen wünscht sich mehrheitlich den Euro

13.06.2022
Als Russlands Präsident Wladimir Putin die Entscheidung für einen militärischen Vorstoß in die Ukraine traf, stand schnell fest, dass nicht nur der europäischen Politik ein Wandel bevorstehen würde. Bundeskanzler Olaf Scholz und viele andere Politiker bezeichneten den Krieg frühzeitig als eine „Zeitenwende“, deren Auswirkungen zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht absehbar sind. Eine erste, für Russland in dieser Deutlichkeit nicht absehbare Folge des Konflikts war das geschlossene Auftreten des Westens. Während die Ukraine ihren Wunsch zu einem EU-Beitritt wiederholt bekräftigte, streben die bisher neutralen Staaten Schweden und Finnland inzwischen eine rasche Aufnahme in das Nato-Bündnis an. Reaktionen aus Moskau auf diese vermeintliche Bedrohung ließen nicht lange auf sich warten. Der Krieg sorgt aber auch in Europas Bevölkerung zu einem Umdenken.

So zeigt eine aktuelle Umfrage in den Ländern der Europäischen Union, dass sich der Großteil der Bürgerinnen und Bürgern in Staaten ohne die Gemeinschaftswährung Euro inzwischen für eine gemeinsame Währung aussprechen.

Bevölkerung in Nicht-Euro-Ländern für einheitliche Währung

Die EU-Kommission selbst hat sich mit der Frage befasst, wie Bürgerinnen und Bürgern in Ländern ohne den Euro als offizielle Währung zu einer gemeinschaftlichen Devise stehen. Das Ergebnis: 60 Prozent der befragten Personen sprechen sich für die Einführung des Euro als Währung aus. Dies geht aus der sogenannten „Eurobarometer-Umfrage“ hervor, die die Kommission der Europäischen Union am vergangenen Freitag (10.06.2022) publik gemacht hat. Deutlich wird dabei aber ebenfalls: In einzelnen Nicht-EU-Staaten fallen die Ergebnisse zum Teil sehr unterschiedlich aus. Besonders großen Zuspruch erhält der Euro mit einem Wert von 77 Prozent vonseiten rumänischer Umfrageteilnehmern.

Resultate in Ungarn offenbaren Widerspruch im Land

Auch in Ungarn fällt der Anteil der Fürsprecher mit 69 Prozent überdurchschnittlich hoch aus. Dies verdient insofern Erwähnung, als Ungarns Regierung während des Krieges (und auch zuvor) besonders häufig Kritik an der Politik der EU und der Gemeinschaftswährungen formuliert hatte. Dies bildet also durchaus eine Diskrepanz zwischen der grundsätzlich kritischen Position der ungarischen Regierung des umstrittenen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und Bevölkerung ab. In Polen sprachen sich eben jene erwähnten 60 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger für einen Beitritt zum Euro-System aus. Für den Nato-Beitrittskandidaten Schweden ergab die Umfrage eine Zustimmung von 45 Prozent für eine potenzielle Euro-Einführung. Unter den befragten Personen in Tschechien und Bulgarien fiel die Zustimmung mit jeweils 44 Prozent hingegen deutlich niedriger aus.

Geringere Zustimmung unter kroatischen Umfrageteilnehmern im Vorjahresvergleich

Interessant ist in diesem Zusammenhang das Resultat für Kroatien. Hier läuft die Einführung der Gemeinschaftswährung für das kommende Jahr 2023 auf Hochtouren. Hatten sich 2021 noch 62 Prozent der Befragten für den Euro ausgesprochen, liegt der Wert aktuell nur noch bei 55 Prozent. Die Zustimmung für das Vorhaben in Kroatien ist damit spürbar rückläufig. Die größte Sorge der Bürgerinnen und Bürger im Land bezieht sich auf eine mögliche Steigerung der Lebenshaltungskosten als Folge der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung. Über 80 Prozent der Befragten im Land gaben an, Angst vor deutlich steigenden Kosten zu haben. Dabei hatte die EU-Kommission erst vor rund einer Woche dem Beitrittswunsch Kroatiens nach einer Aufnahme in die Währungsgemeinschaft zugestimmt. Der Rat der 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union muss im kommenden Juli noch endgültig den Weg für die Einführung freimachen.

Übrigens:
Die dänische Bevölkerung wurde in diesem Zusammenhang nicht befragt. Dänemarks Regierung hatte bereits in den 1990er Jahren Verhandlungen zu einer Ausnahmeregelung mit der EU erfolgreich abgeschlossen. Was angesichts der Ergebnisse er Umfrage der EU-Kommission bleibt, ist am Ende ein uneinheitliches Bild. Dabei könnte ein geschlossenes Auftreten der Nicht-EU-Staaten bei diesem Thema ein wichtiges Signal in Richtung Moskau sein.